Regionalbanken – orientierungslos im digitalen Dschungel

Die Grossbanken und einige mittelgrosse Banken machen bei der Digitalisierung vorwärts. Im Monatsrhythmus künden die Banken neue, digitale Dienstleistungen an. Self Onboarding mit Videoidentifikation, Beratung per Tablet, Online-Hypotheken, videogestützte Filialen, Terminvereinbarung über Internet, Webchat, Videoberatung, Mobile Payment – um nur einige zu nennen. Neue Studien zeigen weitere Handlungsfelder, in denen Banken aktiv werden sollten. Gleichzeitig erscheint fast täglich ein neuer Bereicht oder eine Studie die zeigt, dass die klassische Bankfiliale ein Auslaufmodell sei.

Gerade für Regionalbanken ist diese Situation schwierig. Sie sind tief verwurzelt in ihrer Region und haben keine grossen Ambitionen (und Chancen) ausserhalb ihres Stammgebietes zu wachsen. Die Nähe zu den Kunden beweisen sie durch ihre Filialen, die in vielen kleineren Ortschaften zu finden sind. Und von den Kunden geschätzt werden. Und obwohl diese Banken wirtschaftlich meist auf guten Beinen stehen, stellt sie die Digitalisierung vor grössere finanzielle Herausforderungen.

Die limitierten finanziellen Ressourcen wollen richtig eingesetzt werden. Und richtig heisst in diesem Fall da, wo es dem langfristigen Überleben der Regionalbanken dient. Welche digitalen Initiativen das Geschäftsmodell der Regionalbanken unterstützen, ist nicht einfach zu evaluieren. Denn die Zukunft ist gerade mit Blick auf die Digitalisierung ungewiss. Wird es die Filialen künftig noch brauchen? Wenn nicht, was muss eine Regionalbank anbieten, damit es sie doch noch braucht? Die möglichen Antworten auf solche Fragen variieren stark. Denn wie heisst es so schön: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“.

Klare Strategie als Basis für Digitalisierung

In solchen Situationen ist es besonders ratsam, eine saubere und strukturierte Strategiearbeit zu machen. Denn nur mit einer strukturierten und detaillierten Analyse der Umwelt, einer klaren Vorstellung über die Zukunft und daraus abgeleitet einer starken Strategie lassen sich solche Fragen entscheiden. Für die konzeptionelle Arbeit ist es hilfreich, sich an einem Modell wie z.B. dem neuen St. Galler Managementmodell zu orientieren.

Erst wenn die Strategie durchgängig, in sich stimmig und auf die sich verändernden Umweltbedingungen abgestimmt ist, kann sich die Bank klar im Markt positionieren. Und damit entscheiden, welche Investitionen in die Digitalisierung getätigt werden sollen.

Ziele der Digitalisierung

Ist die strategische Arbeit erledigt, gilt es die verschiedenen digitalen Initiativen zu analysieren. Es ist insbesondere zu überlegen, welches strategische Ziel die jeweilige Lösung unterstützt. Die folgende Tabelle zeigt die möglichen primären Ziele von Digitalisierungsmassnahmen und welche Chancen und Risiken damit verbunden sein könnten.

Primäres ZielBeschreibungPotentialRisiko
AutomatisierungProzesse werden vereinfacht, Computer übernehmen Teile des ProzessesKosteneinsparungen und daraus resultierend Vorteile in einem allfälligen PreiskampfErhoffte Einsparungen lassen sich nicht realisieren
Halten von bestehenden KundenEs soll verhindert werden, dass Kunden aufgrund fehlender Hilfsmittel abwandernKostengünstig durch Einsatz von StandardlösungenInvestition in Trends die schnell wieder verschwinden
Ausweitung des MarktgebietesEs sollen neue, weiter entfernte Kunden gewonnen werdenWachstum des Kundenstamms, zusätzliche ErträgeWachstum macht zusätzliches Personal nötig, Stammkunden werden vergessen
Unterstützung der PositionierungKernelemente der jeweiligen Positionierung werden unterstütztPositionierung wird gefestigt und die Kundentreue dadurch erhöhtKunden wünschen sich künftig etwas anderes

Bei jeder Digitalisierungsmassnahmen sollte überlegt werden, welche primären Ziele damit erreicht werden können. Und ob diese Ziele auch in Einklang mit der Strategie stehen. Investitionen in Vorhaben, die nicht in Einklang mit der Strategie stehen, sollte man sich sehr gut überlegen. Vielleicht könnte man das Geld geschickter investieren.

Fazit

Mehrere Gespräche mit Vertretern von unterschiedlichen Regionalbanken haben mich in den letzten Wochen daran zweifeln lassen, dass diese strategische Arbeit bereits gemacht wurde. Vielmehr scheint man stillschweigend davon auszugehen, dass Filialen auch künftig der primäre Ort für Bankgeschäfte sein werden. Digitalisierung ist zwar auch für Regionalbanken verlockend. Aber es macht den Anschein, als ob unklar sei, wie genau sie das eigene Geschäft unterstützen soll.

Je klarer die Strategie und die Positionierung einer Bank formuliert ist, um so einfacher sind die richtigen Investitionsentscheide zu fällen. Wichtig scheint mir, dass man eine klare Vision betreffend der Zukunft hat und sie aktiv anpackt. Denn „die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, die Zukunft zu erfinden“ (Alan Kay, Informatiker).

 

Credits:
Bild Neues St. Galler Managementmodell: https://www.sgmm.ch/ueber-das-modell
Beitragsbild: Adobe Stock, 25655777, Standard Lizenz

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